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MATTHIES MEINT: Schwebend zur Unbesiegbarkeit

2009/01/27 02:11
Pressemeldung von:
Der Tagesspiegel Titelseite
Berlin ist zweifellos ein magischer Ort. Das erkennen wir schon daran, dass hier der Osten manchmal im Westen ist, während der Westen sowohl südlich als auch nördlich des Kurfürstendamms zu finden ist, aber nie im Osten. Inmitten all dieser Ungewissheiten ragt der Teufelsberg nach oben wie ein Monument geografischer Stabilität über alle Mauerfälle hinaus. Das Dumme ist nur, dass ihn keiner mehr haben will – Berge sind in Berlin aus der Mode gekommen, seit Rodelbahnen bis an den Potsdamer Platz vorstoßen und Wein nicht mehr angebaut werden muss, denn er wächst ja bei Aldi im Regal.

Dennoch: Teufelsberg? Der Name ist zu gut, um ihn den Revierförstern und ihren Setzlingen zu überlassen. Der Hollywoodregisseur David Lynch, ein Magier des Sinistren, hat nun Witterung aufgenommen und zur Grundsteinlegung für seine Universität der Transzendentalen Meditation einen Goldkettchen-Guru mitgebracht, der von dort droben ganz Deutschland revolutionieren will.

Was ja an sich eine gute Idee ist. Denn wer schweben kann, der ist nicht länger auf anfällige Transportsysteme angewiesen, sondern kann sich rein meditativ zum Arbeitsplatz und zurück befördern, und er braucht dazu nicht mal ein Ticket. Denn im transzendentalen Raum gibt es weder Kontrolleure noch Bahncards, und falls drüben irgendwelche übersinnlichen Lokführer tätig sind, dann streiken sie nicht, sondern beziehen ihren Lohn steuer- und sozialabgabenfrei in Form täglicher Erleuchtung. Und sie fahren immer pünktlich!

Für die Teufelsberg-Universität ist auch ein Turm der Unbesiegbarkeit geplant. Das ist ein neues Konzept, mit dem der Guru ganz Deutschland aus dem Dunkel befreien will. Angesichts der momentan herrschenden Lichtverhältnisse ist das ein schönes Ziel; die Unbesiegbarkeit selbst dürfte weniger wichtig sein, denn die hat Jogi Löw mit seien Jungs ja durch konsequentes Training schon fast erreicht.

Nun mäkeln natürlich wieder alle Offiziellen am Konzept herum. Der Sektenbeauftragte poltert, der Bezirk will keine Baugenehmigung herausrücken. Doch in wessen Hände wird der Teufelsberg dann fallen? Am Ende macht Nina Hagen dort einen Landeplatz für Aliens auf, deren Pläne für Deutschland weder auf Beleuchtung noch auf Unbesiegbarkeit hinauslaufen. Oder Kerner eröffnet ein Kochstudio. Und dann sind dicke, leicht schwebende Kuttenträger doch die weitaus bessere Lösung.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 17.11.2007)

Quelle:
http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Titelseite;art692,2421629

Kontakt:
web: http://www.tagesspiegel.de