DER HAUPTSTADTBRIEF: Eine Universität auf dem Teufelsberg
2009/01/27 02:01
Pressemeldung von:
Der Hauptstadtbrief
| Eine Vision des Turms der Unbesiegbarkeit und der Universität des Unbesiegbaren Deutschlands über Berlin |
DER HAUPTSTADTBRIEF - Hintergrund-Dienst aus Berlin für Entscheider und Multiplikatoren
Nr. 92 Blatt 7 vom 29. Januar 2008
Eine Guru-Universität auf dem Berliner Teufelsberg?
Die große Abhör-Station der West-Alliierten zerfällt
Von Tobias Schoenbeck
Wer zum Beispiel von der Reichstagsterrasse nach Westen schaut, erblickt am Horizont einen runden Hügel, einen weißen Turm auf der Spitze. Beim Hügel handelt es sich um die höchste künstliche Erhebung Berlins, den 115 Meter über Normalnull (NN) hohen Teufelsberg. An dieser Stelle mitten im Grunewald, im heutigen Bezirk charlottenburg-Wilmersdorf, plante Adolf Hitler einst die Errichtung der Wehrtechnischen Fakultät, die im Rahmen des nationalsozialistischen Projekts „Welthauptstadt Germania“ gebaut werden sollte.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Rohbau der Anlage zum Teil gesprengt, abgerissen und als Baumaterial verwendet. Um eine weitere Nutzung der Anlage zu verhindern, wurde das Areal 1950 in eine Schuttdeponie verwandelt. Insgesamt wurden mehr als 25 Millionen Kubikmeter Trümmerschutt aus 400 000 zerbombten Häusern angefahren und über dem Restkomplex der „Wehr-Fakultät“ aufgeschüttet.
Der gewaltige Schutthügel wurde nach dem benachbarten Teufelssee Teufelsberg benannt und nach Plänen des Landschafts-architekten Rossow zu einem Freizeitgelände mit verschiedenen Wintersportanlagen (Skihang, Rodelbahn, Sprungschanze und Skilift) modelliert. Der Deutsche Alpenverein baute an einer Flanke des Teufelsbergs einen künstlichen Übungs-Kletterfelsen. Die fertiggestellten Bereiche wurden mit Sand und Mutterboden überfüllt und mit Gras und Kiefern begrünt.
Anfang der 60er Jahre wurden die Aufschüttungs- und Umbauarbeiten jedoch abgebrochen, weil die US-Armeedas bis dahin entstandene Plateau beschlagnahmte und darauf elektronische Anlagen installierte. Die anfangs mobile Einrichtung, gewiss nicht ausschließlich zur überwachung des luftraums – insbesondere der drei Flugkorridore zwischen West-Berlin und der Bundesrepublik – wurde bald fest ausgebaut. Auch wurden fünf feste Antennenkuppeln errichtet, die in der Zeit des Kalten Kriegs Überwachungsaufgaben bis weit ins Gebiet des Warschauer Pakts hinein übernahmen. Die fünf Kuppeln sind bis heute das Erkennungsmerkmal des Teufelsbergs.
Gleichzeitig wurden die unterhalb der Abhörstation fertiggestellten Wintersportanlagen von der Westberliner Bevölkerung ausgiebig genutzt. Nur der Schlepplift konnte nicht in Betrieb genommen werden, da er angeblich die Radaranlage störte. Anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins wurde 1987 auf dem Skihang sogar ein Weltcup-Slalom ausgetragen.
Nach der deutschen Wiedervereinigung wurden die elektronischen Einrichtungen der Abhöranlage entfernt und die Station 99 von den amerikanischen und britischen Spionagediensten „aufgegeben“. Einige Jahre darauf wurde eine neue Radaranlage installiert und 999 die Radarkuppel im Hauptturm erneuert, wobei diese nun der zivilen überwachung des Flugverkehrs diente. Die weiterenGebäude der Abhörstation liegen jedoch seit dem Abzug der Amerikaner und Briten brach und verfallen zusehends.
1996 verkaufte der Berliner Senat das knapp fünf Hektar große Gelände auf dem Teufelsbergplateau an die Kölner Investorengemein-schaft Teufelsberg KG (IGTB) für 5,2 Millionen DM (2, Millionen Euro). Der IGTB-Geschäftsführer Hartmut Gruhl hatte damals zugesichert, auf dem Gelände bis 2001 ein 5-Sterne-Hotel zu realisieren, dazu lofts, ein Spionage-Museum und ein Restaurant. Es wurden aber lediglich einige Fundamente, ein Keller-Rohbau und das Muster einer loft-Wohnung errichtet.
Nachdem die vereinbarte Fertigstellungsfrist bereits zum zweiten Mal verstrichen war, entschied Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) im September 2003, den Vertrag mit dem Investor aufzulösen, und erklärte den Bebauungsplan für ungültig.
DER HAUPTSTADTBRIEF Nr. 92 Blatt 8
Doch plötzlich gibt es jetzt wieder neue Bauabsichten für die ehemalige Abhörstation: Die Maharishi-Weltfriedensstiftung will auf dem Teufelsberg eine sogenannte „Unbesiegbarkeits-Universität“bauen. Begleitet von Protesten von Zuhörern präsentierten der amerikanische Regisseur David Lynch und der Guru Raja Emanuel Schiffgens, einer der führenden Köpfe der Stiftung in Deutschland, im November 2007 das Modell des von ihnen geplanten Gebäudes:
Es umfasst einen 50 Meter hohen „Turm der Unbesiegbarkeit“ sowie eine Anlage mit insgesamt 24 000 Quadratmeter Nutzfläche. In ihr sollen sich 1000 Studentender transzendentalen Meditation widmen. Professoren aus aller Welt sollen sie unterrichten. Nach eigenen Angaben hat die Maharishi-Stiftung das Gelände bereits vom Voreigentümer, der IGTB erworben und will noch im Januar 2008 den Bauantragbeim zuständigen Bezirksamt charlottenburg-Wilmersdorf einreichen.
Doch die Realisierung dieses Bauprojektes dürfte sich – zumindest zunächst einmal – als schwierig erweisen. Denn das Teufelsbergplateau wurde nach Auflösung des Vertrags mit der IGTB planungsrechtlich in eine Waldfläche umgewidmet, die nicht bebaut werden darf.
Naturschützer und ein von Teufelsberg-Anwohnerninitiiertes Aktionsbündnis lehnen die Bebauung des Trümmerbergs komplett ab und streben den Rückbau der Anlagen und die Renaturierung des Geländes an. Dafür müsste das Land Berlinallerdings das Grundstück zurückkaufen, meint Andreas Meißner, Geschäftsführer des Naturschutzzentrums Ökowerk, das seinen Standort am Fuß des Teufelsbergs hat.
Da das Grundstück mit einer Hypothekenschuld von 33 Millionen Euro belastet ist, gilt ein Rückkauf von Seiten der öffentlichen Hand aber als wenig wahrscheinlich. Was aber geschieht dann? Es gibt Befürworter wie Gegner des Baus der „Unbesiegbarkeits-Universität“. So lange nichts entschieden wird, bleibt zu befürchten, dass die Bauten der ehemaligen Abhöranlage bis auf weiteres weiter verfallen.
Quelle;
http://www.derhauptstadtbrief.de/pdfs/HSB_92.pdf
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Mehr dazu: www.derhauptstadtbrief.deinfo@derhauptstadtbrief.de
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Nr. 92 Blatt 7 vom 29. Januar 2008
Eine Guru-Universität auf dem Berliner Teufelsberg?
Die große Abhör-Station der West-Alliierten zerfällt
Von Tobias Schoenbeck
Wer zum Beispiel von der Reichstagsterrasse nach Westen schaut, erblickt am Horizont einen runden Hügel, einen weißen Turm auf der Spitze. Beim Hügel handelt es sich um die höchste künstliche Erhebung Berlins, den 115 Meter über Normalnull (NN) hohen Teufelsberg. An dieser Stelle mitten im Grunewald, im heutigen Bezirk charlottenburg-Wilmersdorf, plante Adolf Hitler einst die Errichtung der Wehrtechnischen Fakultät, die im Rahmen des nationalsozialistischen Projekts „Welthauptstadt Germania“ gebaut werden sollte.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Rohbau der Anlage zum Teil gesprengt, abgerissen und als Baumaterial verwendet. Um eine weitere Nutzung der Anlage zu verhindern, wurde das Areal 1950 in eine Schuttdeponie verwandelt. Insgesamt wurden mehr als 25 Millionen Kubikmeter Trümmerschutt aus 400 000 zerbombten Häusern angefahren und über dem Restkomplex der „Wehr-Fakultät“ aufgeschüttet.
Der gewaltige Schutthügel wurde nach dem benachbarten Teufelssee Teufelsberg benannt und nach Plänen des Landschafts-architekten Rossow zu einem Freizeitgelände mit verschiedenen Wintersportanlagen (Skihang, Rodelbahn, Sprungschanze und Skilift) modelliert. Der Deutsche Alpenverein baute an einer Flanke des Teufelsbergs einen künstlichen Übungs-Kletterfelsen. Die fertiggestellten Bereiche wurden mit Sand und Mutterboden überfüllt und mit Gras und Kiefern begrünt.
Anfang der 60er Jahre wurden die Aufschüttungs- und Umbauarbeiten jedoch abgebrochen, weil die US-Armeedas bis dahin entstandene Plateau beschlagnahmte und darauf elektronische Anlagen installierte. Die anfangs mobile Einrichtung, gewiss nicht ausschließlich zur überwachung des luftraums – insbesondere der drei Flugkorridore zwischen West-Berlin und der Bundesrepublik – wurde bald fest ausgebaut. Auch wurden fünf feste Antennenkuppeln errichtet, die in der Zeit des Kalten Kriegs Überwachungsaufgaben bis weit ins Gebiet des Warschauer Pakts hinein übernahmen. Die fünf Kuppeln sind bis heute das Erkennungsmerkmal des Teufelsbergs.
Gleichzeitig wurden die unterhalb der Abhörstation fertiggestellten Wintersportanlagen von der Westberliner Bevölkerung ausgiebig genutzt. Nur der Schlepplift konnte nicht in Betrieb genommen werden, da er angeblich die Radaranlage störte. Anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins wurde 1987 auf dem Skihang sogar ein Weltcup-Slalom ausgetragen.
Nach der deutschen Wiedervereinigung wurden die elektronischen Einrichtungen der Abhöranlage entfernt und die Station 99 von den amerikanischen und britischen Spionagediensten „aufgegeben“. Einige Jahre darauf wurde eine neue Radaranlage installiert und 999 die Radarkuppel im Hauptturm erneuert, wobei diese nun der zivilen überwachung des Flugverkehrs diente. Die weiterenGebäude der Abhörstation liegen jedoch seit dem Abzug der Amerikaner und Briten brach und verfallen zusehends.
1996 verkaufte der Berliner Senat das knapp fünf Hektar große Gelände auf dem Teufelsbergplateau an die Kölner Investorengemein-schaft Teufelsberg KG (IGTB) für 5,2 Millionen DM (2, Millionen Euro). Der IGTB-Geschäftsführer Hartmut Gruhl hatte damals zugesichert, auf dem Gelände bis 2001 ein 5-Sterne-Hotel zu realisieren, dazu lofts, ein Spionage-Museum und ein Restaurant. Es wurden aber lediglich einige Fundamente, ein Keller-Rohbau und das Muster einer loft-Wohnung errichtet.
Nachdem die vereinbarte Fertigstellungsfrist bereits zum zweiten Mal verstrichen war, entschied Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) im September 2003, den Vertrag mit dem Investor aufzulösen, und erklärte den Bebauungsplan für ungültig.
DER HAUPTSTADTBRIEF Nr. 92 Blatt 8
Doch plötzlich gibt es jetzt wieder neue Bauabsichten für die ehemalige Abhörstation: Die Maharishi-Weltfriedensstiftung will auf dem Teufelsberg eine sogenannte „Unbesiegbarkeits-Universität“bauen. Begleitet von Protesten von Zuhörern präsentierten der amerikanische Regisseur David Lynch und der Guru Raja Emanuel Schiffgens, einer der führenden Köpfe der Stiftung in Deutschland, im November 2007 das Modell des von ihnen geplanten Gebäudes:
Es umfasst einen 50 Meter hohen „Turm der Unbesiegbarkeit“ sowie eine Anlage mit insgesamt 24 000 Quadratmeter Nutzfläche. In ihr sollen sich 1000 Studentender transzendentalen Meditation widmen. Professoren aus aller Welt sollen sie unterrichten. Nach eigenen Angaben hat die Maharishi-Stiftung das Gelände bereits vom Voreigentümer, der IGTB erworben und will noch im Januar 2008 den Bauantragbeim zuständigen Bezirksamt charlottenburg-Wilmersdorf einreichen.
Doch die Realisierung dieses Bauprojektes dürfte sich – zumindest zunächst einmal – als schwierig erweisen. Denn das Teufelsbergplateau wurde nach Auflösung des Vertrags mit der IGTB planungsrechtlich in eine Waldfläche umgewidmet, die nicht bebaut werden darf.
Naturschützer und ein von Teufelsberg-Anwohnerninitiiertes Aktionsbündnis lehnen die Bebauung des Trümmerbergs komplett ab und streben den Rückbau der Anlagen und die Renaturierung des Geländes an. Dafür müsste das Land Berlinallerdings das Grundstück zurückkaufen, meint Andreas Meißner, Geschäftsführer des Naturschutzzentrums Ökowerk, das seinen Standort am Fuß des Teufelsbergs hat.
Da das Grundstück mit einer Hypothekenschuld von 33 Millionen Euro belastet ist, gilt ein Rückkauf von Seiten der öffentlichen Hand aber als wenig wahrscheinlich. Was aber geschieht dann? Es gibt Befürworter wie Gegner des Baus der „Unbesiegbarkeits-Universität“. So lange nichts entschieden wird, bleibt zu befürchten, dass die Bauten der ehemaligen Abhöranlage bis auf weiteres weiter verfallen.
Quelle;
http://www.derhauptstadtbrief.de/pdfs/HSB_92.pdf
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