Entspannte Nachbarn
2007/09/22 01:00
Pressemeldung von:
Erfurter Allgemeine
| In Erfurt wird der Turm der Unbesiegbarkeit gebaut — Er soll Deutschlands neues Wahrzeichen werden |
Die Finanzierung für die Maharishi-Schule steht noch in den Sternen, die Pläne aber bieten schon Stoff für Diskussionen.
Graffiti, zerbrochene Fenster, baufällige Industrie-Ruinen. Der Schornstein auf der Halle, die einst Topf & Söhne gehörte, steht so schief wie der Zaun davor. Auf der Wiese gegenüber gab es früher Baracken für die Werksarbeiter. Jetzt wachsen dort Unkraut und Büsche meterhoch. Der Sorbenweg gehört sicher nicht zu den Aushängeschildern der Stadt.
Noch nicht.
Genau hier, auf der Brache zwischen Wohngebiet, ehemaligem IHK-Gebäude und baufälligen Industriehallen soll er errichtet werden: der einzige "Turm der Unbesiegbarkeit" in Deutschland.
"Wenn das ordentlich wird, können die ruhig anfangen zu bauen", sagt eine Anwohnerin, die seit Jahrzehnten im Sorbenweg wohnt. Die neuen Nachbarn hat sie schon im Blick: "Seit zwei Jahren kommen die regelmäßig her, bauen ein Zelt auf und feiern. Aber nicht laut." Es sei ein schickes Zelt, mit Boden. Sogar ihre Toiletten würden sie mitbringen und oft große Antennen aufbauen. "Alles sehr modern." Die rüstige Rentnerin freut sich, dass sich etwas tut. Und die Pläne gefallen ihr gut, auch der 50 Meter hohe Turm.
Der krönt, wenn es nach den Wünschen der Maharishi Weltfriedens-Stiftung geht, ab nächstem Herbst die Schule, in der 200 Kinder ihr Abitur machen sollen und nebenbei die Technik der Transzendentalen Meditation erlernen. In der Erfurter Schule, - zeitnah entstehen je zwei Schulen in Leipzig und Dresden - gelten die Lehrpläne des Kultusministeriums. Schulgeld zahlen die Eltern, damit ihre Sprösslinge nebenbei zu Yogischen Fliegern ausgebildet werden und allein durch die Kraft ihres Geistes alle Gefahren von Stadt und Land abwenden können. Dass zumindest verspricht Wolfgang Gied von der Stiftung. Unbesiegbarkeit ist das Ziel und "nicht nur so ein Begriff, den wir uns ausgedacht haben und er hat auch nichts mit Rechtsradikalismus zu tun", beschwichtigt Gied die Befürchtungen der Bürger. Einige Erfurter hatten ihren Unmut über die nationalistisch angehauchten Anzeigen der Stiftung geäußert, andere hielten den geplanten Bau für eine Moschee.
Gemeint sei Unbesiegbarkeit im Sinne von Souveränität und Selbstbestimmung, die vom Einzelnen auf das ganze Land wirken. Studien hätten gezeigt, dass die Zahl der Yogischen Flieger der Quadratwurzel aus einem Prozent der Bevölkerung entspräche. Mit 1000 von ihnen könnte Deutschland also nicht mehr viel passieren.
Gebaut werden soll schnellstmöglich, war aus der Deutschlandzentrale in Hannover zu hören. Dort sitzen zwei Architekten an den Ausführungsplänen für den Bauantrag, es laufen Verhandlungen mit regionalen Baufirmen für die Drei-Millionen-Investition.
Ganz bewusst wolle man Aufträge an Firmen aus Erfurt und dem Umland geben. "Die Stadt soll von dem Vorhaben profitieren", sagt Gied und fügt hinzu, dass man sich auch zukünftig nicht abschotten wolle, sondern etwa im Turm regelmäßig zu Ausstellungen laden werde.
Aus dem Bauamt hieß es bisher nur: "Es gab eine Bauvoranfrage und die wurde positiv bewertet." Allerdings habe sich diese auf die niedrigen Schulgebäude ohne Turm beschränkt, so Amtsleiter Winfried Kiermeier. Wenn sich der Entwurf nicht ändert und die Ausführungspläne okay sind, wird die Baugenehmigung kein Problem, sagt Kiermeier. Drei Monate müsste man für deren Bearbeitung berechnen. Wenn also nichts schief geht, könnte Ende des Jahres mit dem Bau begonnen werden. Der Grundstein ist schon im Juli mit aufwendiger Zeremonie, Fanfaranzug und unter den Augen von Deutschland-Chef Emanuel Schiffgens gelegt worden.
Die Anwohnerin, die ihren Namen nicht preisgeben wollte, sagt nach einem langen Rundblick über die Fläche: "Ist doch schön, wenn hier wieder Leben herkommt", und lässt sich auch nicht von der Skepsis der Nachbarn anstecken, die Angst vor dem haben, "was die Maharishi-Leute so nachziehen". Die hätten sich nämlich mittlerweile den Anwohnern vorgestellt und sich als "sehr freundliche Leute" erwiesen. Und eines scheint sicher: Die Menschen im Sorbenweg bekommen echt entspannte Nachbarn.
Claudia NOLTE
Bildunterschrift:
BAUPLATZ: Wo jetzt noch Unkraut sprießt, soll bald der 50 Medet hohe Turm der Unbesiegbarkeit stehen
22. September 2007 Print
Im Internet:
Thüringer Allgemeine Lokal Erfurt
21. 09. 2007
Quelle:
http://www.thueringer-allgemeine.de/ta/
Graffiti, zerbrochene Fenster, baufällige Industrie-Ruinen. Der Schornstein auf der Halle, die einst Topf & Söhne gehörte, steht so schief wie der Zaun davor. Auf der Wiese gegenüber gab es früher Baracken für die Werksarbeiter. Jetzt wachsen dort Unkraut und Büsche meterhoch. Der Sorbenweg gehört sicher nicht zu den Aushängeschildern der Stadt.
Noch nicht.
Genau hier, auf der Brache zwischen Wohngebiet, ehemaligem IHK-Gebäude und baufälligen Industriehallen soll er errichtet werden: der einzige "Turm der Unbesiegbarkeit" in Deutschland.
"Wenn das ordentlich wird, können die ruhig anfangen zu bauen", sagt eine Anwohnerin, die seit Jahrzehnten im Sorbenweg wohnt. Die neuen Nachbarn hat sie schon im Blick: "Seit zwei Jahren kommen die regelmäßig her, bauen ein Zelt auf und feiern. Aber nicht laut." Es sei ein schickes Zelt, mit Boden. Sogar ihre Toiletten würden sie mitbringen und oft große Antennen aufbauen. "Alles sehr modern." Die rüstige Rentnerin freut sich, dass sich etwas tut. Und die Pläne gefallen ihr gut, auch der 50 Meter hohe Turm.
Der krönt, wenn es nach den Wünschen der Maharishi Weltfriedens-Stiftung geht, ab nächstem Herbst die Schule, in der 200 Kinder ihr Abitur machen sollen und nebenbei die Technik der Transzendentalen Meditation erlernen. In der Erfurter Schule, - zeitnah entstehen je zwei Schulen in Leipzig und Dresden - gelten die Lehrpläne des Kultusministeriums. Schulgeld zahlen die Eltern, damit ihre Sprösslinge nebenbei zu Yogischen Fliegern ausgebildet werden und allein durch die Kraft ihres Geistes alle Gefahren von Stadt und Land abwenden können. Dass zumindest verspricht Wolfgang Gied von der Stiftung. Unbesiegbarkeit ist das Ziel und "nicht nur so ein Begriff, den wir uns ausgedacht haben und er hat auch nichts mit Rechtsradikalismus zu tun", beschwichtigt Gied die Befürchtungen der Bürger. Einige Erfurter hatten ihren Unmut über die nationalistisch angehauchten Anzeigen der Stiftung geäußert, andere hielten den geplanten Bau für eine Moschee.
Gemeint sei Unbesiegbarkeit im Sinne von Souveränität und Selbstbestimmung, die vom Einzelnen auf das ganze Land wirken. Studien hätten gezeigt, dass die Zahl der Yogischen Flieger der Quadratwurzel aus einem Prozent der Bevölkerung entspräche. Mit 1000 von ihnen könnte Deutschland also nicht mehr viel passieren.
Gebaut werden soll schnellstmöglich, war aus der Deutschlandzentrale in Hannover zu hören. Dort sitzen zwei Architekten an den Ausführungsplänen für den Bauantrag, es laufen Verhandlungen mit regionalen Baufirmen für die Drei-Millionen-Investition.
Ganz bewusst wolle man Aufträge an Firmen aus Erfurt und dem Umland geben. "Die Stadt soll von dem Vorhaben profitieren", sagt Gied und fügt hinzu, dass man sich auch zukünftig nicht abschotten wolle, sondern etwa im Turm regelmäßig zu Ausstellungen laden werde.
Aus dem Bauamt hieß es bisher nur: "Es gab eine Bauvoranfrage und die wurde positiv bewertet." Allerdings habe sich diese auf die niedrigen Schulgebäude ohne Turm beschränkt, so Amtsleiter Winfried Kiermeier. Wenn sich der Entwurf nicht ändert und die Ausführungspläne okay sind, wird die Baugenehmigung kein Problem, sagt Kiermeier. Drei Monate müsste man für deren Bearbeitung berechnen. Wenn also nichts schief geht, könnte Ende des Jahres mit dem Bau begonnen werden. Der Grundstein ist schon im Juli mit aufwendiger Zeremonie, Fanfaranzug und unter den Augen von Deutschland-Chef Emanuel Schiffgens gelegt worden.
Die Anwohnerin, die ihren Namen nicht preisgeben wollte, sagt nach einem langen Rundblick über die Fläche: "Ist doch schön, wenn hier wieder Leben herkommt", und lässt sich auch nicht von der Skepsis der Nachbarn anstecken, die Angst vor dem haben, "was die Maharishi-Leute so nachziehen". Die hätten sich nämlich mittlerweile den Anwohnern vorgestellt und sich als "sehr freundliche Leute" erwiesen. Und eines scheint sicher: Die Menschen im Sorbenweg bekommen echt entspannte Nachbarn.
Claudia NOLTE
Bildunterschrift:
BAUPLATZ: Wo jetzt noch Unkraut sprießt, soll bald der 50 Medet hohe Turm der Unbesiegbarkeit stehen
22. September 2007 Print
Im Internet:
Thüringer Allgemeine Lokal Erfurt
21. 09. 2007
Quelle:
http://www.thueringer-allgemeine.de/ta/
Kontakt:
web:
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