Direkt zum Inhalt
Sie sind hier: Startseite » Die neuesten Pressemeldungen » Verzeichnis » Presseschau » Nachrichten der Woche » Thüringer Allgemeine: Fliegen lernen

Thüringer Allgemeine: Fliegen lernen

2007/09/22 01:14
Pressemeldung von:
Thüringer Allgemeine
Das große Thüringen-Thema: Maharishi, Transzendentale Meditation, Yogisches Fliegen und der Turm der Unbesiegbarkeit
Fliegen lernen

Die einen halten sie für eine gefährliche Sekte, andere für harmlos: Nun wollen die Anhänger des Maharishi in Erfurt den "Turm der Unbesiegbarkeit" errichten. Das jedoch wird schwieriger als gedacht.

ERFURT/HANNOVER. Die Wände im Hauptquartier der Maharishi sind überzogen mit goldenen Stofftapeten. Auf den Tischen steht goldverziertes Geschirr, davor stehen barocke Stühle mit goldglänzenden Armlehnen. Sie passen zu den Krawatten und Uhren der hier Angestellten. "Gold ist halt unsere Lieblingsfarbe", lächelt Emanuel Schiffgens. Guru darf man ihn nicht nennen, das klänge zu sehr nach Sekte. Wer es dennoch tut, dem droht er schon mal mit dem Anwalt.

Die Maharishi-Zentrale steht in Hannover, zwischen zehn Banken und dem Finanzministerium. Vor 140 Jahren gehörte das Palais einem preußischen Diplomaten, später planten niedersächsische Beamte hier den Bau von Straßen. 2005 kaufte es die Maharishi Veda GmbH, für 900 000 Euro. Nun sitzen hier die Maharishi "Weltfriedens-Stiftung", das Maharishi "Institut für Führungskräfte" und die Raam Bank, die Maharishi-Geld ausgibt - einen Raam gibt es für zehn Euro.

Es kursiert vieles über die Maharishi. Sektenbeauftragte attestieren ihr ein stark autoritäres Weltbild und kritisieren die rechtsextreme Wortwahl, wie "nationales Bewusstsein", "unbesiegbares Deutschland" oder "Weltregierung". Andere halten sie einfach für harmlose Hippies mit Geld.

Gegründet wurde die Vereinigung in den Fünfzigern von dem indischen Guru Maharishi Mahesh Yogi, der bis heute, im Alter von 90 Jahren, ihr Oberhaupt ist. Seine Transzendentale Meditation (TM), eine Mischung aus Stressabbau-Esoterik und indischer Mystik, faszinierte in den Siebzigern die Beatles und die Beach Boys ebenso wie tausende Studenten in Europa und den USA, die in der Flower-Power-Ära einen alternativen Glauben suchten. Auch das Ehepaar Stein, das aus einem reichen Vorort von Frankfurt/Main stammt, wurde damals TM-Anhänger. Heute leben die Rentner in Weimar.

Durch die Meditation, sagt Helmut Stein, erreiche er eine innere Ruhe. Sein Bewusstsein werde eins mit dem Kosmos. "Ich werde unbesiegbar." Inzwischen trägt er den Grad "TM-Lehrer". Damit darf er die rund 200 TM-Anhänger in Thüringen im Meditieren anleiten. Die Stiftung hat für sie in Erfurt vor zwei Jahren eine Altbauwohnung hergerichtet, direkt gegenüber der Sparkasse und der Landesbank. Das Wohnzimmer dient für Seminare, zwei kleinere Räume daneben sind mit dicken Matratzen ausgelegt. Für die "Yogischen Flieger" - rechts die Männer, links die Frauen, sagt Anneliese Stein.

Umsonst ist das nicht. Meditierkurse für Einsteiger kosten 2380 Euro, inklusive Mehrwertsteuer. Yogisches Fliegen gibt es ab 7140 Euro. Falls Unternehmen für ihre Mitarbeiter Seminare buchen, müssen sie das Doppelte zahlen.

Das würden, sagt Wolfgang Gied vom "Institut für Führungskräfte", die Unternehmen durch danach steigende Gewinne wieder reinholen. "Zudem können sie es ja von der Steuer absetzen." Mit Sekte oder Glauben, sagt der deutsche Ober-Maharishi Schiffgens, habe das nichts zu tun. Das beweise schon, dass die Anhänger auch andere Gottesdienste besuchen dürften. Was hier betrieben werde, sei alles "in hunderten Studien bewiesen". Dafür hat er extra ein paar bunte Grafiken erstellt. Durch Meditation, sollen sie deutlich machen, ließen sich die Kriminalität deutlich senken, der Intelligenzquotient steigern, Krankheiten besiegen und Frieden bringen.

Wissenschaftler halten diese Studien freilich für genauso stichhaltig wie jene der Tabakindustrie, wonach das Rauchen nicht schädlich ist.

Hauptattraktion der Maharishi ist das "Yogische Fliegen". Dabei soll, so die Anhänger, das erleuchtete Bewusstsein den Körper im Schneidersitz zum Schweben bringen. Das soll - letztendlich - für Heiterkeit weltweit und damit Weltfrieden sorgen. Tatsächlich reicht die Willenskraft nach wochenlangem Training der Oberschenkel allenfalls für ein paar kleine yogische Hüpfer.

Die Euphorie nach der Fußball-WM zum Beispiel. Die sei, sagt Schiffgens, einzig und allein den Yogischen Fliegern zu verdanken, die damals nach Deutschland kamen. Etwa 200 solcher küh- nen Flieger wollen die Maharishi künftig in Erfurt ausbilden, nahe der geografischen Mitte Deutsch- lands. Ursprünglich sollte das Bauwerk in Eisenach errichtet werden, doch das scheiterte, sagt der Ex-Bautechniker Stein, am Gelände. Nun soll in der Thüringer Landeshauptstadt nahe dem Hauptbahnhof der zwölfstöckige "Turm der Unbesiegbarkeit" gebaut werden, aus weißem Marmor und mit einer schönen goldenen Kuppel. Zu seinen Füßen soll eine Privatschule - halb Gymnasium, halb Regelschule - entstehen, streng errichtet nach der Sthapatya Veda-Baulehre, einer Fengshui-Variante. Nur wenn das Haus nach Norden ausgerichtet werde, stehe es "im Einklang mit dem Kosmos", sagt Schiffgens. An die Ostseite soll darum der Eingang, im kühlen Norden die Studierzimmer, im Westen das Schlafzimmer und im Süden die Kantine, damit dort die Mittagssonne die Verdauung anregt. Die gut 200 Schüler sollen dort neben Physik, Mathematik und Geschichte eine Stunde pro Tag das Meditieren studieren, yogisches Fliegen inklusive. Außerdem steht Sanskrit auf dem Lehrplan, das Latein der Hindus.

Finanzieren soll sich die Privatschule aus Schulgebühren von rund 850 Euro pro Monat. Für ärmere Eltern sollen Sponsoren die Gebühr übernehmen.

Entworfen wurde die Schule im zweiten Stock der Geschäftsstelle in Hannover. Dort planen die Maharishi bereits, wie sie weltweit die Städte umbauen würden.

Für Manhattan etwa haben sie schon mal einen ganz neuen Stadtplan gezeichnet. Wo heute hunderte Hochhäuser, Wolkenkratzer, Banken und Konzernzentralen stehen, wollen sie einen riesigen Park errichten, um die negativen Schwingungen des Hudson-Flusses zu mildern. Zum Wohnen und Arbeiten bleibt den New Yorkern demnach nur ein kleiner Fleck im Nordosten.

Das alles umzusetzen, wird jedoch etwas komplizierter als gedacht. Was den Turm in Erfurt betrifft, dafür gebe es noch gar keine Baugenehmigung, sagt Bauamtsleiter Winfried Kiermeier. Es habe lediglich eine unverbindliche "Bauvoranfrage" gegeben, und zwar nur für ein fünfstöckiges Haus. "Von dem Turm war dabei nie die Rede." Und ob der gestattet wird, da ist er noch skeptisch. Zum Beispiel, ob das Gebäude nicht viel zu hoch ist, da es in einer Flugschneise des Flughafens liege.

Auch gebe es ja das Einfügungsgebot. Danach darf in ein Viertel nur gebaut werden, was dort hinpasst. Es sei denn, es gebe gute Ausnahmegründe, wie bei einem Kirchturm. Ob es die aber für die Maharishi-Schule gibt, sei lange nicht ausgemacht, betont der Erfurter Bauamtsleiter. Das Thüringer Kultusministerium ist sehr vorsichtig: "Wenn wir merken, dass dort Gehirnwäsche betrieben wird, verbieten wir den Schulbetrieb sofort." Es liege aber noch kein Antrag vor.

Zudem gibt es Widerstand von den Anwohnern. Manche warnen in Flugblättern vor der "Moschee im Sorbenweg". Andere kritisieren den Standort am Gelände von Topf&Söhne, Hersteller der Auschwitz-Krematorien.

Davon aber wollen sich die Maharishi-Anhänger nicht aufhalten lassen. Den Grundstein haben sie schon mal ganz unverbindlich gelegt. In Anzeigen und im Internet werben sie um Spenden. Ab 50 000 Euro erhält der Spender eine "Unbesiegbarkeitsanleihe", die ihm Glück und Reichtum bescheren soll.

Doch so recht will sich das Konto aber nicht füllen. Gut 20 000 Euro seien bislang eingegangen, gesteht Schiffgens - bei Baukosten von rund drei Millionen Euro.

Kritiker mutmaßen, die Bauankündigung des Erfurter Turmes sei nur ein Trick, um an neue Spenden zu kommen. Das weist Schiffgens jedoch zurück.

Auch wenn erst im Juni dieses Jahres die Weltzentrale in Holland zehn Millionen Euro quasi als Finanzspritze nach Deutschland überwies.

Damit sollen, heißt es, endlich jene "Friedenspaläste" in Deutschland errichtet werden, die schon seit Jahren in der Öffentlichkeit groß angekündigt werden. Erst war von mindestens 60 Palästen die Rede, nun sollen es gar 300 werden.

Gebaut wurde davon bislang keiner.


21.09.2007 Von Falk HEUNEMANN

Quelle:
http://www.thueringer-allgemeine.de/ta/

Leserbrief von Dipl.Ing. Klaus Weber, Hannover:

Transzendentale Meditation ist wissenschaftlich fundiert

Sehr geehrter Herr Heunemann,

in Ihrem Artikel behaupten Sie: "Wissenschaftler halten diese Studien (über Transzendentale Meditation) für genauso stichhaltig wie jene der Tabakindustrie, wonach das Rauchen nicht schädlich ist." Das ist eine haltlose Unterstellung. Es gibt heute über 600 wissenschaftliche Untersuchungen zum Programm der Transzendentalen Meditation, durchgeführt an über 200 unabhängigen Universitäten und Forschungsinstituten in 34 Ländern, die mit einer Ausnahme - der Maharishi University of Management (MUM) - nichts mit der TM-Organisation zu tun haben. Die Ergebnisse wurden in über 160 Peer-Reviewed Artikeln in wissenschaftlichen Fachzeitschriften und Büchern veröffentlicht, darunter den führenden Journalen. (Peer-Reviewed - d.h. von mehreren Gutachtern geprüfte - Artikel erfüllen den höchsten Qualitätsstandard der Wissenschaft.) Diese Zeitschriften und die Co-Autoren der Publikationen sind vollständig unabhängig von der TM-Organisation. Das Datenmaterial für statistische Untersuchungen über den Maharishi-Effekt oder Verringerung der Krankheitskosten stammt aus der offiziellen Kriminalstatistik bzw. der Statistik einer unabhängigen Krankenversicherung. Wenn die Wirkungen der Transzendentalen Meditation für Sie unglaublich sind, dann liegt das nicht an den Forschungsergebnissen, sondern an der Wirkung der Transzendentalen Meditation. Glauben Sie tatsächlich, dass die Maharishi University of Management, USA, 25 Millionen USD Forschungsgelder von der National Science Foundation und dem National Institutes of Health. der US-Regierung bekommen hätte, wenn die Forscher gefälschte Untersuchungsergebnisse abliefern würden? Sie hat diese Unterstützung bekommen, sogar obwohl alle ihre Wissenschaftler Transzendentale Meditation ausüben! Haben Sie jemals davon gehört, dass eine Forschungsabteilung der Tabakindustrie staatliche Subventionen vom Gesundheitsministerium bekommen hätte? Haben Sie jemals davon gehört, dass die Statistik einer Krankenversicherung - wie bei der TM - eine Abnahme der Krankheitskosten um 50% infolge regelmäßigen Tabakkonsums ergeben hätte?
In allen Fällen, in denen Wissenschaftler angebliche Mängel der wissenschaftlichen Untersuchungen festgestellt haben wollen, welche die positiven Wirkungen der TM nachweisen - die im übrigen von Millionen Kursteilnehmer bestätigt werden können -, konnten in deren Studien zahlreiche Fehler, Missinterpretationen und Weglassungen nachgewiesen werden.

Mit freundlichen Grüßen, Klaus Weber
Maharishi Weltfriedens-Stiftung

GEGENDARSTELLUNG

Gegendarstellung

Im Artikel "Fliegen lernen" vom 22.9.07 in der Thüringer Allgemeinen wurde behauptet: "Wissenschaftler halten diese Studien (über Transzendentale Meditation) für genauso stichhaltig wie jene der Tabakindustrie, wonach das Rauchen nicht schädlich ist." Die Maharishis Weltfriedens-Stiftung verwahrt sich energisch gegen diesen Vorwurf der wissenschaftlichen Fälschung und hält entgegen:

Es gibt heute über 600 wissenschaftliche Untersuchungen zum Programm der Transzendentalen Meditation - zum großen Teil von ungewöhnlich hoher Signifikanz -, durchgeführt an über 200 unabhängigen Universitäten und Forschungsinstituten in 34 Ländern, die mit einer Ausnahme - der Maharishi University of Managemen(MUM)- nichts mit der TM-Organisation zu tun haben. Die Ergebnisse wurden in über 160 Peer-Reviewed Artikeln in wissenschaftlichen Fachzeitschriften und Büchern veröffentlicht, darunter den führenden Journalen. (Peer-Reviewed - d. h. von mehreren Gutachtern geprüfte - Artikel erfüllen den höchsten Qualitätsstandard der Wissenschaft.) Diese Zeitschriften sind vollständig unabhängig von der TM-Organisation. Die meisten wichtigen wissenschaftlichen Publikationen der Maharishi University of Management (MUM) entstanden in Zusammenarbeit mit Forschern und Co-Autoren von anderen Universitäten, die keine Beziehung zur MUM oder der TM-Organisation haben. Das Datenmaterial für statistische Untersuchungen über den Maharishi-Effekt oder Verringerung der Krankheitskosten stammt aus der offiziellen Kriminalstatistik bzw. der Statistik einer unabhängigen Krankenversicherung.

Die Maharishi University of Management erhielt in den letzten 20 Jahren für ihre Forschungen ca. 25 Millionen USD von der National Science Foundation und dem National Institute of Health.der US-Regierung, sogar obwohl alle ihre Wissenschaftler Transzendentale Mediation ausüben. Hat jemals eine Forschungsabteilung der Tabakindustrie staatliche Subventionen vom Gesundheitsministerium bekommen? Hat jemals die Statistik einer Krankenversicherung - wie bei der TM - eine Abnahme der Krankheitskosten um 50% infolge regelmäßigen Tabakkonsums ergeben? In allen Fällen, in denen Wissenschaftler angebliche Mängel der wissenschaftlichen Untersuchungen festgestellt haben wollen, welche die positiven Wirkungen der TM nachweisen - die im übrigen von Millionen Kursteilnehmern bestätigt werden können -, konnten in deren Studien zahlreiche Fehler, Missinterpretationen und Weglassungen nachgewiesen werden.

Quellen:
http://www.truthabouttm.org
http://www.truthabouttm.org/truth/Research/CommitmenttoScience/index.cfm#Publications
http://www.tm-vedischewissenschaft.de/ist_tm-forschung_serioes.html
http://www.tm-vedischewissenschaft.de/interessensgruppen.html#Anchor-Diskreditierun-60842
http://www.tm-information.de/docs/rechtslage.html
http://www.tm-information.de/docs/referenzen.html
http://www.tm-vedischewissenschaft.de/falsche_behauptungen.html
http://www.tm-vedischewissenschaft.de/tm_im_vergleich.html

ENDE DER GEGENDARSTELLUNG

Kontakt:
web: http://thueringer-allgemeine.de