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Yogische Hopser für den Weltfrieden

2007/09/27 22:22
Pressemeldung von:
Freies Wort
Deutschlands Unbesiegbarkeit erhofft sich Gunter Chassé durch den Maharishi-Effekt. Er schlägt vor, dass drei Prozent der Bundeswehr-Soldaten täglich meditieren.
Ressort Thüringen
Erschienen am 28.09.2007 00:00

MAHARISHI ZENTRUM
Yogische Hopser für den Weltfrieden

In Erfurt wirbt eine Stiftung um Spenden für den Aufbau einer rein meditativen Fliegerstaffel

VON REDAKTIONSMITGLIED MATTHIAS THÜSING

Gunter Chassé ist ein Mann des Friedens. Vor seiner Pensionierung vertraute der Oberstleutnant der Bundeswehr dabei vor allem der Durchschlagskraft der modernen Technik. Starfighter, Phantom-Bomber und Flugabwehrbatterien erschienen dem Luftwaffenmann durchaus als geeignete Mittel zur Friedenssicherung.
Inzwischen jedoch reicht seine Mission in militärstrategischer Hinsicht weit über die Territorialverteidigung der NATO hinaus. „Wir müssen uns den Feind zum Freund machen“, sagt Chassé. Und aus diesem Grund hat er mit seiner Pensionierung die Waffensysteme gewechselt. Nicht mehr Jagdbomber und Abfangjäger will er in Deutschland stationieren. Sondern yogische Flieger. Zwei eben wie Gunnar und Peter aus Weimar und Wolfsburg.

Geräuschlos vermeditieren die beiden die Zeit bis zu ihrem Auftritt im Anschluss an die Pressekonferenz von Gunter Chassé im Erfurter Maharishi Zentrum der Erleuchtung. Sie hocken im Schneidersitz inmitten einer Wiese von blau bezogenen Matrazen. Das Licht ist gedämpft, ebenfalls mit blauem Grundton. „Sie werden nicht viel sehen“, warnt Chassé die Medienvertreter vor übertriebenen Erwartungen. Allenfalls ein paar Hopser. „Möglicherweise verspüren sie innerlich auch ein wohliges Gefühl.“ Dann lässt der Ex-Offizier die Tür zu Gunnar und Peter auf ihren Matratzen öffnen. Wie auf Kommando durchläuft die beiden ein kurzes Zittern. Dann ein Schnaufen. Plötzlich hüpft aus dem Schneidersitz erst Peter, dann auch Gunnar hoch. 30 Zentimeter etwa. Yogisches Fliegen in Reinkultur.

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Durch Fliegen gute Laune beim Feind verströmen

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Ein- oder zweitausend solcher Flieger an einem Punkt zusammengebracht ist nach Auffassung des Ex-Offiziers Chassé geeignet, ein Gebiet von der Größe der Bundesrepublik dauerhaft zu befrieden. Keine Kriege, keine Kriminalität mehr, keine Gewalt und keine Negativität. Nur noch meditatives Hüpfen. „Unseren Berechnungen nach genügt die Quadratwurzel des hundertsten Teils der Bevölkerung, um so viel spirituelle Energie freizusetzen, dass ein Gebiet zu Harmonie und Glücksseligkeit kommt.“ Das sei die Idee des verehrten Gurus Maharishi Mahesh Yogi. Und das ist zugleich das Angebot der Maharishi Weltfriedens-Stiftung.

Schon für den Betrag von 5,5 Millionen Euro monatlich will die Stiftung 3000 Kollegen von Gunnar und Peter ausbilden lassen, die hauptberuflich fliegen und gute Laune auch beim Feind verströmen sollen. In der Folge werde Deutschland unbesiegbar. Chassé ruft die deutschen Familien zum Spenden auf.

Die der Stiftung verbundene Deutsche Nachrichten Agentur (dna) rühmt sich auf diese Weise im April 2006 einen Wirtschaftsaufschwung in Holland eingeleitet zu haben. 400 Yogische Flieger hätten genügt. Laut dna lief das so: Mitten in einem Naturschutzgebiet bei Vlodrop, einem kleinen Ort an der deutsch-holländischen Grenze, sei die Meditation hergestellt worden. „Unbesiegbar wird ein Land nicht durch militärische Aufrüstung, sondern durch den Maharishi-Effekt, der Kohärenz im kollektiven Bewusstsein erzeugt, die einen unsichtbaren Schutzschild gegen jede Form von Negativität und Aggression von außen und von innen bildet.“

Über Monate hinweg sei in stundenlangen Intensivsitzungen die niederländische Unbesiegbarkeit herbeigehopst worden. „Das Besondere an diesem Projekt ist, dass das Yoga- und Meditationsprogramm mit 10 Stunden täglich wesentlich länger und intensiver ist als bei früheren Kohärenzprojekten, exakt nach den Himmelsrichtungen ausgerichtete Übungsräume in Großzelten genutzt wurden und das Projekt nicht wie bisher nur wenige Wochen dauerte, sondern die Gruppe bisher per Monate aufrechterhalten werden konnte und nun permanent aufrechterhalten werden soll.“ Nun also hat die Organisation Thüringen fest ins Visier genommen: Wegen der zentralen Lage böte sich der Freistaat für die Stationierung der Fliegerstaffel an, ein zwölfstöckiger Turm der Unbesiegbarkeit ist für Erfurt geplant, zu seinen Füßen eine Schule, an der die vedischen Wissenschaften gelehrt werden. Darum die Pressekonferenz inmitten von Kerzen, Maharishi-Bildern und Cremetönen. Es riecht leicht nach Vanille.

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Vorschlag: Meditation auf Probe bei der Bundeswehr

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Alles schwer vorstellbar? Chassé kennt die Bedenken. Und so hat er zur Unterstützung seiner Mission Eckardt Stein herbeigezogen. Der Mann sei Quantenphysiker. Stein steht auf für seine Erklärungen mit Powerpoint-Präsentation. Er spricht in ein Mikrophon, dessen Verkabelung merkwürdigerweise in seinem Laptop endet, nicht aber in irgendwelchen Lautsprechern. Stein tritt ebenso wie Chassé in einem dezent-hellgrauen Anzug, Hemd und Krawatte – dafür jedoch in weißen Socken ohne Schuhe – vor die Presse.

Ihm kommt die schwere Aufgabe zu, die Yogischen Hopser als Quantensprünge der Welterleuchtung zu verkaufen. Auf seinem Laptop zeigt er Schaubilder, Grafiken von Hirnhälften und Fotos vom Großgeschwader der Yogischen Friedensflieger. Er betont mehrfach, die Existenz von seriösen Studien und wissenschaftlichen Untersuchungen, die der transzendentalen Meditationstechnik irgendwelche Effekte zusprechen. Stein ist um Wissenschaftlichkeit sehr bemüht, auch wenn sein Vortrag keineswegs überzeugt.

Gunter Chassé, der mit seinem grauen Haar, dem freundlich-länglichen Gesicht und dem lustigen Schnauzbart ein wenig aussieht wie Thüringens Innenminister Karl Heinz Gasser, nennt Stein einen „anerkannten Wissenschaftler“. Beide zusammen haben bereits verschiedene Innen- und Verteidigungsminister sowie den Präsidenten des Weltsteuerzahlerbundes angeschrieben. Das mit dem Weltfrieden durch Meditation könne doch einmal unverbindlich ausprobiert werden.

Etwa bei der Bundeswehr: „Wenn drei Prozent der Soldaten täglich nur 20 Minuten meditieren, könnten doch die anderen 97 Prozent ihrem normalen Dienstgeschäften nachgehen“, schlägt Chassé vor. Er ist sich sicher: „Wir würden Effekte verspüren.“ Der Vorschlag ist nicht neu. Er hat ihn zu seinen aktiven Zeiten schon seiner Generalität vorschlagen. Damals als im Luftraum über Deutschland die Yogischen Flieger weithin unbekannt waren.

Quelle:
http://www.freies-wort.de/nachrichten/thueringen/seite3thueringenfw/art2402,713483

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web: http://freies-wort.de